Ein internationaler Uberblick - Eisenbahn-Jahrbuch
Munition findet man in großen Mengen in allen Ozeanen der Welt und in vielen unserer Seen und Flüsse: von einem Reservoir in Jakarta, Indonesien, zu den klaren Seen der Schweizer Alpen am Fuß des Eiger bis zu den Großen Seen (Great Lakes) Nordamerikas. Zusätzlich zu der im Meer verklappten Munition wurde eine große Anzahl an Waffen in Flüssen, Seen, Reservoirs und Binnenmeeren versenkt. Die meisten Binnenlandstandorte sind bisher unbekannt, doch viele der Gebiete sind heute bevölkert. In manchen Fällen wird ihr Wasser auch von Gemeinden zur Versorgung und Bewässerung verwendet.
Die leichteste und kostengünstigste Methode zur Entsorgung von chemischen und konventionellen Waffen nach dem Zweiten Weltkrieg war die Verklappung in den Ozeanen. Zwischen 1945 und Mitte der 70er Jahre fand die Verklappung von chemischen Waffen in jedem Ozean der Welt statt. Die Entsorgung chemischer und biologischer Kampfstoffe im Meer wurde von der London Convention im Jahr 1972 international verboten. Dies wurde von Kanada durch den Ocean Dumping Control Act im Jahr 1975 umgesetzt. Auf der Chemiewaffenkonvention im April 1997 wurde beschlossen, dass Herstellung, Erwerb, Lagerung, Transport und Nutzung von chemischen Waffen verboten sind. Außerdem wurden die Unterzeichner dazu verpflichtet, ihre jeweiligen Waffenarsenale abzubauen. Im Meer verklappte Munition ist unter Artikel 1 & 2 der Konvention ausgenommen.
In den Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg liefen Schiffe, die Senfgas geladen hatten, regelmäßig aus den Häfen von Sydney und Halifax zu lokalen Deponien aus; in manchen Fällen wurde sogar das gesamte Schiff versenkt. Die Schließung der amerikanischen Militäranlagen in Neufundland und Labrador, vor allem Argentia und Stephenville, war ein Grund für die weit verbreitete Munitionsverklappung. Laut einem Bericht versenkten fünf Monate lang, jeden zweiten Tag, große Schiffe Munition vor Argentia in der Cabotstraße. Ein LSH-Schiff wurde speziell dafür konzipiert, Munition auf dem Meeresgrund zu versenken.
Doch nicht nur der Atlantik, sondern auch der Pazifik bei Kanada ist betroffen. An der kanadischen Westküste weist ein Foto der Victoria Daily Times aus dem Jahr 1947 auf 400 Tonnen von chemischem Kampfgas hin, „von denen die meisten immer noch auf der geheimen Liste stehen“ und im nahegelegenen Esquimalt, British Columbia, im Pazifik versenkt wurden.
Im Jahr 1992 berief HELCOM eine spezielle Arbeitsgruppe ein, die die mit versenkter chemischer Munition im Bereich der Helsinki-Konvention – dem Baltischen Meer – verbundenen Probleme angehen soll. Diese Arbeitsgruppe besteht aus Repräsentanten aus Deutschland, Polen, Russland, den baltischen und skandinavischen Staaten, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten. Diese Arbeitsgruppe untersuchte die verschiedenen Probleme, die aus der Verklappung von chemischer Munition im Baltischen Meer bis zum Jahr 1947 entstanden sind. Sie stellte fest, dass einige der am häufigsten versenkten Munitionsarten (konventionell) eine Bedrohung für die Photosynthese von Plankton und die Schlupfrate der Eier von Krustentieren darstellen. Der Bericht verwies insbesondere darauf, dass „Kampfstoffe in Sediment erhöhter Konzentration für einen langen Zeitraum lokal fortbestehen können.“ Unteranderem gehören dazu Stoffe, die sowohl Arsen als auch zähflüssiges Senfgas enthalten. Wenn Senfgas Salzwasser ausgesetzt ist, bildet es eine dicke äußere Kruste über dem inneren Kern. Deshalb kann es an die Oberfläche geraten und Fischer verletzen, die dieses toxische Material in ihrem Netz an Land ziehen.